Eröffnung eines Bankkontos
Da rege ich mich die letzten Wochen und Monate über so banale Dinge wie die zentrale Anti-Terror Datei oder die Nutzung des Mautsystems zur “Verbrechensbekämpfung” auf, aber eigentlich sind das schon fast Peanuts gegenüber der Tätigkeit der AG, mit der ich mich heute Abend auseinander gesetzt habe.
Wir alle kennen doch die ärztliche Schweigepflicht. Und? Ist ja eigentlich keine schlechte Idee. Ich bin froh darüber, dass der Arzt eine Art Vertrauensperson sein soll und man ihm erzählen kann was man will, er muss es für sich behalten. Ist ja nicht gerade angenehm, wenn man zwei Tage nach der Diagnose von Lungenkrebs auf einmal von der Nachbarin so mitleidigt angesehen wird, oder? Oder nehmen wir das Bankgeheimniss: Wäre das gut, wenn man beim Stammzeitschriftenladen die aktuelle HardwareLuxx Printed nur wiederwillig und mit dem Kommentar Heben Sie sich das Geld lieber für das nötigste auf, sie brauchen es ja.
überreicht bekommen würde, weil man eben gerade knapp bei Kasse ist? Sicher nicht, klar.
Wie komme ich darauf? Okay, folgende Situation: Ich habe vorkurzem ein neues Bankkonto eröffnet. Gestern habe ich dann noch einen Zettel nachgereicht bekommen, den ich doch bitte noch unterschreiben soll. Die Überschrift dieses Zettels lautete SCHUFA-Klausel zu Kontoeröffnungsanträgen
. Aha, SCHUFA und so, ja hat man schon mal gehört. Der recht kleine Absatz zur Auflärung was das ganze soll lies bei mir schonmal die Alarmglocken klingeln. Also habe ich mich heute damit beschäftigt und will meine Ergebnisse hier einmal zusammen tragen.
Was ist die SCHUFA?
Die SCHUFA ist 1927 gegründet worden und wurde 1970 EDVisiert und fiel damit ab 1977 unter das Datenschutzgesetz. Erst 1985 wurde gerichtlich durchgesetzt, dass die SCHUFA die Einwilligung der Leute braucht, über die sie Daten sammelt. Und 2000 wurde die Bundes-Schufa e.V. in eine private AG umgewandelt.
Aber was macht die SCHUFA genau und wozu dient sie?
Die SCHUFA soll eine zentrale Stelle sein, um dort den finanziellen Status eines Bürgers abfragen zu können. Dazu benötigen sie natürlich Daten, die ihnen diejenigen übermitteln die von dieser Auskunft am meisten Nutzen haben: Die Banken. Die dürfen das aber auch nur, wenn der Kunde die SCHUFA Klausel bei der Kontoeröffnung oder bei einem Kreditantrag unterzeichnet hat.
Soweit ich das heute herausfinden konnte, sind sowohl die Banken als auch die SCHUFA selbst nicht daran interessiert nur die minimalsten Daten auszutauschen. Unter anderem sollen neben den “üblichen” Daten wie Name, Geburtsdatum, Wohnorte (man beachte den Plural!) auch Auskünfte über Handyverträge die Zahlungsmoral und auch so große Geschütze dabei sein, wie zum Beispiel die Auskunft ob man selbst schon einmal Konkurs angemeldet hat. Und außerdem: Muss die SCHUFA wirklich wissen wieviele Kinder ich habe und wie lange ich schon der aktuellen Wohnung lebe?
Kritik an der SCHUFA
Prinzipiell ist es ja nachvollziehbar, dass die Banken eine Sicherheit haben wollen, wenn Sie Kredite vergeben. Das Interessante ist, dass an die SCHUFA mittlerweile nicht nur Banken angeschlossen sind, sondern auch Versicherungen, Zahnärzte und so jeder andere erdenkliche Wirtschaftszweig. Auch Ebay frägt mittlerweile bei der Kontoeröffnung ab, ob man einen SCHUFA Eintrag hat. Und alle können bei der SCHUFA anfragen, wie es denn um einen steht. Dazu wird ein sogenannter Score-Wert ermittelt und an den Anfragenden weitergeben. Das “lustige” daran ist, dass keiner so wirklich weiß, wie dieser Wert ermittelt wird, wann er ermittelt wird und was alles in diesen Wert mit einfließt. Die SCHUFA sagt sogar, dass dieser Wert abhängig vom Anfrager ist. Das heißt eine Bank bekommt einen anderen Score Wert übermittelt, als eine Versicherung, auch wenn beide genau zum selben Zeitpunkt wissen wollten, welche Spuren ich in der Finanzwelt schon hinterlassen habe. Transparenz gleich null!
Um nochmal auf die Frage von vorhin zu kommen: Ist es zum Beispeil wichtig, dass die SCHUFA weiß, wieviele Kinder ich habe? Ja? Stimmt, denn umso mehr Kinder ich habe umso geringer ist die Chance das ich meinen Kredit nicht zurück zahle. Aber ist es nicht eher so, dass in den meisten Fällen wohl nicht die Kinder an einer ausbleibenden Liquidität Schuld sind, sondern eher andere Umstände wie das unerwartete Verlieren des Jobs oder eine Krankheit? Solche Umstände kann man einfach statistisch nicht mit einkalkulieren und der Score-Wert ist nun einmal solch eine ausschließlich statistische Erfassung.
Das Ganze soll aber nicht nur den Banken dienen. Es soll auch den Bürger vor Überschuldung schützen. Für einige mag das sinnvoll sein, aber wenn jemand meint er braucht einen weiteren Kredit, dann wird das seine Gründe haben, oder nicht? Ist das nicht Bevormundung des Bürgers?
Außerdem finde ich interessant, dass die SCHUFA neben der GEZ und der Post die größte Datensammlung über deutsche Bürger hat. Fast jeder Erwachsene ist darin verzeichnet. Es scheint in den letzten Jahren eine beliebte Methode geworden, staatliche Behörden, die so eine Datensammlung nicht betreiben dürfen – wir leben ja nicht in einem Überwachungsstaat –, in private Unternehmen zu konvertieren und den dummen Bürger einfach selbst unterschreiben zu lassen, dass er seine Daten preisgibt und das diese weiterverwendet werden dürfen. Genau darin liegt auch das Problem: Die SCHUFA ist mittlerweile eine AG und wie jedes Unternehmen strebt die SCHUFA (natürlich) eine Gewinnvergrößerung an. Mit was könnte man das besser, als mit dem Verkauf von einer großen und detaillierten Menge von Personendaten? Das ist zwar noch nicht so ganz durch, wird aber wohl oder übel kommen.
Und noch ein kleines Detail am Rande: In der Rubrik Datenschutz auf der SCHUFA Webseite lautet der erste Satz: Datenschutz und Datensicherheit für unsere Vertragspartner sowie für die Verbraucher haben für unser Unternehmen seit jeher eine hohe Priorität.
Würde ich auf der Suche nach irgendeinem Anbieter eines Web2.0 Dienstes sein und dieser Satz würde in der Datenschutzerklärung auftauchen, wäre für mich der Anbieter sofort gestorben. Wenn, dann vertraue ich diesem einen Unternehmen, dass mir diesen Dienst anbieten, aber keine angeschlossenen Unternehmen von denen ich nicht weiß, wer sie sind und was diese über Datenschutz denken.
Die “Man hat keine Wahl”-Falle
Ja, es scheint sie auch diesesmal wieder zu geben. Ich nehme an, dass ich mein Konto nicht bekomme, sollte ich die SCHUFA Klausel nicht unterschreiben. Das werde ich aber auf jeden Fall noch klären. Das Interessante daran ist: Was machen Leute die wirklich einen Negativ-Eintrag bei der SCHUFA haben und deswegen nicht mal ein Girokonto bekommen, dass man heutzutage ja für fast jede Arbeitsstelle braucht? Ja, ich weiß es gibt Guthabenskonten, die man dann von den staatlichen Banken zugewiesen bekommen muss. Aber warum ist man schon mit einem negativen SCHUFA Eintrag gleich ein Bürger der quasi letzten Klasse?
Ich finde es mehr als bedenklich, dass es eine Gruppe von Leuten gibt die ohne mein Wissen nicht gerade wenig Daten von mir sammelt. Und teilweise muss ich dem ganzen auch noch zustimmen. Und wenn ich wissen möchte, welche Daten erfasst sind, kostet das ganze noch etwas. Diese Kosten werden auch noch per Lastschrift von meinem Konto eingezogen.
Ach, und folgender Hinweis ist unter dem Selbstauskunftformular zu finden:
Die von Ihnen in diesem Antrag gemachten Angaben speichern wir vorübergehend nur zur Bearbeitung und Abrechnung der von Ihnen gewünschten Selbstauskunft. Soweit im Interesse einer eindeutigen Identifizierung erforderlich, werden lediglich Angaben zu Ihrer Person (Name, Vorname und Anschrift sowie Geburtsdatum und -ort) in den SCHUFA-Datenbestand übernommen. Ihre Angaben zur Bankverbindung werden dagegen nicht in den SCHUFA-Datenbestand übernommen.
Das sagt doch quasi schon Du entkommst uns nicht
aus... Dazu passt auch, dass es sich bis vor einiger Zeit sogar negativ auf das Scoring ausgewirkt hat, wenn man eine Selbstauskunft eingeholt hat.
Nunja, mal sehen was aus meinem Bankkonto wird. Eigentlich habe ich ja eh keine Wahl, oder? 
Quellen:
- http://de.wikipedia.org/wiki/Schufa
- http://www.finanzinform.de/schufa_infos.html
- http://www.schufa.de/
- https://www.meineschufa.de/
- http://www.datenschutzzentrum.de/faq/schufa.htm
- http://www.datenschutzzentrum.de/material/themen/presse/schufa.htm
- http://www.bfdi.bund.de/cln_029/nn_531474/DE/Themen/WirtschaftUndFinanzen/VerbrSchutzAuskunfteien/Artikel/SCHUFA.html__nnn=true
- http://blog.blinkenarea.org/index.php/2006/06/06/forschungsprojekt-scoringsysteme/
- http://www.bundestag.de/dasparlament/2006/34-35/Thema/006.html
- http://www.heise.de/newsticker/meldung/70153
Botschaften
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Der Gesetzgeber hat einen Entwurf veröffentlicht, der allen Bürgern zweimal im Jahr einen kostenlosen Abruf seiner Schufa Daten ermöglicht. Dadurch kann sich jeder Bürger informieren, wie es mit seiner Kreditwürdigkeit etc aussieht.
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Das ist eine interessante Information. Ist abzusehen, wann dieses Gesetz wirklich gültig werden könnte?
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