“Just for fun” von Linus Torvalds
Lange hat es gedauert, aber jetzt steht die erste Biographie nun (gelesen) in meinem Bücherregal. Ursprünglich dachte ich immer, das Biographien nicht die Tiefe Romanen erreichen können. Das dies nicht so sein muss, zeigt “Just for fun – Wie ein Freak die Computerwelt revolutionierte” von Linus Torvalds.
Inhalt
Linus Biographie fängt in seiner Kindheit an und hört irgendwann um die Jahrtausendwende herum auf. Durch diese Zeitspanne könnte man es auch schon fast als kleines Computergeschichtsbuch bezeichnen und tatsächlich lernt man einige Sachen aus der Vergangenheit, die man wahrscheinlich nicht wusste, wenn man zu der Zeit noch nicht wirklich viel mit Computern zu tun hatte.
Neben Linus Leben bekommt der Leser damit auch einen Eindruck von der Beschaffung von Personal Computern in den frühen Anfangsjahren, der Programmierung von Betriebssystemen, der Nostalgie von alter Hardware sowie von dem frühen Internet in Newsgroups und von finnischen Saunen mit.
Gerade die Details die man über Heimat des Kernel Hackers erfährt sind interessant. Beispielsweise finde ich die Unterscheidung zwischen dem Opa väterlicherseits und dem Opa mütterlicherseits sowohl lustig, als auch simpel: Der finnische Wort für Vater ist Far, der Vater des Vaters ist Farfar. Das selbe Spielchen gibt es auch für die Mütter. So ist der Vater der Mutter Morfar und dessen Frau Mormor. Lesen bildet, sag ich da nur. 
Linus schreibt außerdem viel über Open Source und den Kampf der Bewegung gegen die alt eingesessenen Geschäftsmodelle. In diese Kategorie fällt wohl auch das Treffen mit Steve Jobs und der ein oder andere Kommentar über William Gates, wobei seine Statements über “den Feind” immer recht fair ausfallen.
Kritik
Zu kritisieren gibt es für mich an diesem Buch nur eine Kleinigkeit, ansonsten ist die Biographie toll. Nicht mitreißend, nicht “ich kann das jetzt nicht aus der Hand legen”, sondern toll. Aber ich glaube das ist normal für Biografien.
Die zu kritisierende Kleinigkeit bezieht sich auf den technischen Aspekt des Buches. Linus schreibt, dass er nicht zu sehr auf die Technik eingehen möchte und dies daher nur im ersten Teil des Buches tut und selbst da noch halbwegs “non Geek kompatibel”, was ich sehr schade finde, da ich glaube, dass die die Zielgruppe des Buches eigentlich nur Computerinteressierte sein können.
Das Buch birgt den ein oder anderen Lacher und auch einige Überraschungen. So streitet Linus stets das Bild des frommen Asketen, der nur von seinen Einsen und Nullen lebt, ab. Das zeigt im Endeffekt nur seine Menschlichkeit, denn er ist auch nicht der Programmierer-Nerd, der alles nur wegen des Programmierens macht. Er hat auch andere Wünsche, die eben manchmal viel Geld kosten, also nahm er manchmal einfach das Geld das ihm Firmen angeboten haben, anstatt hochnässig zu behaupten, dass ihn Geld nicht interessiere.
Der Stil ist immer sehr erzählerisch gehalten. Hin und wieder kommt etwas Abwechslung durch einen Interview mässigen Stil zustande. Hier hat Co-/Ghost-Writer David Diamond sehr gute Arbeit geleistet ohne dabei selbst zu kurz zu kommen (er selbst kommt im Buch das ein oder andere mal vor).
Bewertung
Dieses Buch ist eine gute Biographie und übt streckenweise eine sehr inspirierende Wirkung auf den Leser aus, da man manchmal das Buch zur Seite legt und sofort etwas programmieren will. Außerdem fand ich die Leidenschaft gut rüber gebracht, die Linus für OpenSource allgemein und für das Programmieren im Speziellen aufbringt. Und natürlich muss der Mensch um den es in einer Biografie geht interessant und sympathisch sein. Beides hat Linus wunderbar geschafft.
Diese 264 Seiten bieten eine Menge Unterhaltung, sehr viel Spaß und die ein oder andere Theorie über die man sich gerne den Kopf zerbricht. Finale Wertung: 3,5 von 5 Punkten.
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