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Dienstag, 19. Februar 2008 - 22:25

Rezension: Vienna Teng - Waking Hour

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Auf die in Amerika lebende Sängerin/Songwriterin/Pianistin Vienna Teng bin ich gekommen, als ich eine Anfrage an $suchmaschine gestellt habe, von der ich eigentlich Konzertberichte zum Hamburger Sarah McLachlan Konzert 2004 erwartet habe. Als ich dann aber auf dieser Webseite etwas von ein Kind von Chopin und Sarah McLachlan las, war mir sofort klar: Diese Musik musste ich hören.

Die Songs auf der Webseite (Achtung Blitz-Alarm!) haben mir schon einmal zugesagt und da Frau Teng zu dieser Zeit gerade in Deutschland auf Mini-Tour war, waren die CDs gut erhältlich. In diesem Review geht es um also um ihr erstes Album Waking Hour, das, entgegen aller Erwartungen, gar nicht wie ein typisches erstes (=rohes) Album klingt.

Wie bei meinen Reviews in diesem Bereich üblich, mag ich das Gesamtpaket, das hier repräsentiert wird. So würde ich Vienna Teng nicht gerade eine grandiose, einzigartige Stimme bescheiningen, aber ihr Pianospiel und vor allem ihre songschreiberischen Qualitäten, verbunden mit den tollen Arrangements machen dieses Album hörenswert.

Im Mittelpunkt steht eigentlich immer das Klavier und der Gesang. Jegliche Instrumentierungen sind schön drum herum gebaut und wirken passend, verleihen dem Album letztendlich seine Abwechslung. Monotonie sucht man vergebens. Hier ist also klar zu erahnen, wieviel Potential vorhanden ist und das macht auf jeden Fall schon einmal Lust auf das nächste Album.

Verglichen mit anderen Künstlern ist ihre Musik sehr viel voller, als erwartet. Bestechen zum Beispiel die Tracks des ersten (und bisher einzigen) Keri Noble Albums eher durch Schlichtheit, so wirkt Waking Hour sehr viel produzierter und facettenreicher. Der Vergleich mit McLachlan ist durchaus gerechtfertig, auch wenn Tengs erstes Album nicht an solche Produktionen herankommt. Insgesamt ist die Richtung auch eine etwas andere, da auf Waking Hour sehr viel weniger Synthesizer und andere poppigere Effekte vorkommen, als auf den eher populäreren McLachlan Alben. Waking Hour ist einfach etwas mehr Jazz als Pop oder Country.

Aber natürlich verträgt auch diese Art von sanfterem Jazz-Pop einige klangliche Experimente. So wirken einige Werke auf dem Album geradezu mystisch (Between) und etwas überspitzt gesagt könnte man fast meinen, man hört eine Ballade von Within Temptation.

Trotz der Pianolastigkeit und des Genres, sind rhythmisch gesehen einige interessante Stellen dabei. So ist es das Intro von Unwritten Letter #1 auf jeden Fall wert, einmal genau auseinander genommen zu werden und am Schlagzeugsound in Drought kann sich jeder Tontechniker mal ein Beispiel nehmen. Vor allem diese Beckeneinsätze am Ende des Songs (cirka 3:50) gefallen mir sehr.

Wie man sieht wurde auf die Details geachtet. Zum Beispiel der leichte Streichereinsatz in Gravity, die sehr markante Gitarre in The Tower oder die toll eingesetzte Geige in Unwritten Letter #1. Hier steckt viel Arbeit und ein ausgeprägter Sinn für das Perfekte in der gesamten Scheibe und das merkt man auch sehr schnell.

Neben dem akustischen zählt natürlich noch das emotionale, dass aufgrund der Subjektivität eben schlecht begründbar ist. Aus dieser Sicht betrachtet, gefallen mir vor allem Momentum und Decade and One am besten. Klingt ersteres eher nach der mehr oder weniger klassischen Liebesballade, ist Letzteres mehr die Art von Musik, die ich gerne höre, wenn ich mich melancholisch allein meine Gedanken hingeben möchte. Die ganz großen Emotionen kommen dabei noch nicht rüber, aber es müssen ja nicht immer so große Hämmer wie ein Foolish Games von Jewel sein.

Zum Schluss noch die wenigen negativen Seiten erwähnt: Wenn überhaupt ein Song als Tiefpunkt bezeichnet werden kann, ist es Soon Love Soon. Ich mag einfach keine gospelartigen Arrangements. Und das Artwork des Albums hätte meiner Meinung nach auch besser gemacht werden können, das gefällt mir nämlich echt nicht.

Hörproben gibt es übrigens in der Discography Sektion auf viennateng.com.

Fazit

Großes Potential, sehr viel Talent, da ist Raum für ganz große Musik. Der Perfektionismus und der Detailreichtum sind schon perfekt, es fehlen nur noch ein wenig die ganz großen Gefühle. Deshalb: 3 von 5 Punkten.

Eingeordnet unter: Musik

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